{"id":187,"date":"2026-04-21T14:32:11","date_gmt":"2026-04-21T12:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tschernobyl.lu\/?page_id=187"},"modified":"2026-04-21T14:32:47","modified_gmt":"2026-04-21T12:32:47","slug":"40-jahre-nach-der-reaktorkatastrophe-in-tschernobyl","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.tschernobyl.lu\/de\/40-jahre-nach-der-reaktorkatastrophe-in-tschernobyl\/","title":{"rendered":"40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><b>26.04.1986 \u2013 26.04.2026: 40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Der Versuch einer Bestandsaufnahme<\/span><\/p>\n<p class=\"p5\"><span class=\"s1\"><b>Die Fakten des 26. April 1986<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Die Fakten sind bekannt, auch wenn sie bereits 40 Jahre zur\u00fcckliegen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Zur Erinnerung: in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 sollte ein Sicherheitstest im Reaktor Nummer 4 in Tschernobyl durchgef\u00fchrt werden.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Es sollte gepr\u00fcft werden, wie lange die Turbinen bei einem Stromausfall noch gen\u00fcgend eigene Energie liefern k\u00f6nnten um eine Notk\u00fchlung zu erm\u00f6glichen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Dabei kam es zu menschlichen Bedienungsfehlern, obwohl der Reaktor bereits w\u00e4hrend der Vorbereitung zum Test instabil zu werden drohte.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Dennoch wurden willk\u00fcrlich mehrere Sicherheitsprotokolle ignoriert, um den Test letztendlich durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Durch diese Kombination aus Bedienfehlern und unsachgem\u00e4\u00dfer Handhabung, gravierenden M\u00e4ngeln in der Sicherheitskultur, sowie relevanten Konstruktionsfehlern geriet der Reaktor urpl\u00f6tzlich v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle. Innerhalb weniger Sekunden stieg die Leistung sprunghaft an, womit der Kettenreaktionsprozess unkontrollierbar wurde und durch die Regelung nicht mehr ausgeglichen werden konnte. <\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Die manuelle Notabschaltung f\u00fchrte schlie\u00dflich zur Katastrophe. Es kam zu einem extrem schnellen Anstieg der Energiefreisetzung in den Brennelementen und um 1:23 Uhr kam es zu zwei schweren Explosionen, wodurch der mehr als 1000 Tonnen schwere Deckel des Reaktorkerns abhob und gleichzeitig das Dach des Reaktorgeb\u00e4udes zerst\u00f6rt wurde. Der Reaktorkern lag somit frei und gro\u00dfe Mengen radioaktiven Materials wurden in die Atmosph\u00e4re geschleudert, wo sie mit dem Wind bis nach West- und Nordeuropa getragen wurden und gro\u00dfe Gebiete kontaminierten.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\"><b>Die Lage am 26. April 2026 \u2013 Radioaktive Substanzen im K\u00f6rper<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Auch heute, 40 Jahre nach dem schlimmsten Reaktorunfall der menschlichen Geschichte, sind die Folgen der atomaren Verseuchung immer noch ein Thema. Dennoch hat sich in vier Jahrzehnten einiges ge\u00e4ndert, besonders Fauna und Flora haben wieder Fu\u00df gefasst im Schutzgebiet um Tschernobyl, der sogenannten Sperrzone.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Aus dieser Sperrzone, auch Todeszone genannt, aus welcher damals alle Menschen ausgewiesen wurden und eine R\u00fcckkehr nicht mehr erlaubt war. Heute leben noch einige \u00e4ltere Menschen in ihrer kontaminierten Heimat, wenngleich illegal. Und Pripjat ist heute eine Geisterstadt nahe dem havarierten Reaktor.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Doch im Laufe der Jahre wurde die Sperrzone zu einem unerwarteten Paradies f\u00fcr Wildtiere wie W\u00f6lfe, Wildschweine, Elche, F\u00fcchse, Adler und sogar Przewalski-Pferde. Die Strahlenbelastung scheint den Tieren dabei weniger zu schaden als den Menschen, was jedoch zu beweisen bleibt. <\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Auch die Flora hat sich die Gebiete der stark verstrahlten Todeszone inzwischen zur\u00fcckerobert, dabei wachsen hohe Birken auf und in den Ruinen der Stadt Pripjat, ungehindert dehnt sich die Natur wieder aus. Es ist eine Natur fast wie im Urzustand, mit wilden Tieren, ganz ohne Scheu vor Menschen. Kein Mensch, keine Autos, keine Fabriken st\u00f6ren die scheinbar heile Natur.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Belarus, das fr\u00fchere Wei\u00dfrussland, ebenfalls stark betroffen durch die nukleare Kontamination, hat im Sperrgebiet sogar eine Schutzzone eingerichtet, fast so gro\u00df wie Luxemburg. Sch\u00fctzen soll sie allerdings uns Menschen, vor der Radioaktivit\u00e4t, die den Tieren unter Umst\u00e4nden nur wenig anhaben kann.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Dabei war die Reaktorkatastrophe zun\u00e4chst auch f\u00fcr viele Tiere t\u00f6dlich. Dies ging aus Z\u00e4hlungen hervor, die im Fachblatt \u201eIntegrated Environmental Assessment and Management\u201c Ende des Jahres 1986 ver\u00f6ffentlicht wurden. Auch die Anzahl der Fehlgeburten, Tumore und Deformationen war damals stark angestiegen. Doch ein Teil der freigesetzten radioaktiven Elemente zerfiel wieder nach einiger Zeit, so dass die Best\u00e4nde insbesondere der ohnehin sehr fruchtbaren Nagetiere sich wieder erholten. Und in der Welt der Pflanzen eroberten strahlungsresistente Birken den abgestorbenen Nadelwald.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Ein weiterer Teil der Strahlung jedoch, etwa das langlebige C\u00e4sium-137 oder Strontium-90, verseucht die Gegend noch heute. Liegt die Intensit\u00e4t der Strahlung in der Randzone nur etwas oberhalb der durchschnittlichen nat\u00fcrlichen Strahlung in Mitteleuropa, so steigt sie jedoch auf das bis 1000-fache in der N\u00e4he des Reaktors. Das geht auch an den Tieren nicht spurlos vorbei. Auch Jahrzehnte nach dem Super-GAU reichern die Wildtiere in den verstrahlten Gebieten noch gesundheitsgef\u00e4hrlich hohe Mengen radioaktiver Substanzen im K\u00f6rper an. Dies f\u00fchrt zu Anomalien und Mutationen bei Fischen, Amphibien und S\u00e4ugetieren, wie eine umfassende Studie der New York Academy of Sciences von 2009 belegt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Trotzdem scheinen die Strahlung und ihre Folgen die Fortpflanzung in der Fauna kaum zu beeinflussen. Erkl\u00e4ren l\u00e4sst sich dieses Ph\u00e4nomen nur mit einer Art Strahlenresistenz, die viele Tierarten entwickelt haben m\u00fcssen. Denn trotz oxidativem Stress in den K\u00f6rpern der Tiere, der das Erbgut zu sch\u00e4digen droht, konnten sich viele Arten offenbar physiologisch daran anpassen und zwar umso besser, je h\u00f6her die t\u00e4gliche Strahlendosis war. Unklar bleibt jedoch, ob alle Tiere dies gelernt haben.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Die weitaus gr\u00f6\u00dfere Bedrohung f\u00fcr die Wildtiere, das folgt aus den erstaunlichen Beobachtungen rund um Tschernobyl, ist eindeutig der Mensch. H\u00f6rt er auf die Tiere zu jagen und ihren Lebensraum zu zerst\u00f6ren, sprich wenn die menschlichen Aktivit\u00e4ten nachlassen, erholen sich die Best\u00e4nde.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Im Sperrgebiet rund um Tschernobyl k\u00f6nnen die Tiere hoffen, noch lange ungest\u00f6rt weiterzuleben. Die Menschen werden sobald nicht zur\u00fcckkehren. Die 2. Generation nach der Katastrophe aus der Gegend rund um Tschernobyl k\u00e4mpft noch immer mit der Strahlenverseuchung. Nur 20% der Kinder sollen gesund sein, im Vergleich zu 90% vor dem Ungl\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\"><b>Tschernobyl heute &#8211; Gegenwart und Zukunft<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Und der Mensch ist dennoch da und es passiert das schier Unbegreifliche: in den fr\u00fchen Morgenstunden des 14. Februar 2025, gegen 1:50 Uhr Ortszeit, wurde der New Safe Confinement (NSC), an der Nordseite der metallischen Schutzkuppel \u00fcber dem alten und seit 1986 bestehenden Sarkophag am Reaktor 4 von Tschernobyl, durch einen mutma\u00dflich russischen Kampfdrohnenangriff (Kampfdrohne Typ Shahed-136) besch\u00e4digt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Obwohl die Strahlungswerte weiterhin im Normbereich blieben, offenbaren die gravierenden Sch\u00e4den ein akutes Sicherheitsrisiko. Der Wiederaufbau, sprich Reparatur, stellt technische, finanzielle und sicherheitsrelevante Herausforderungen dar, die Jahrzehnte \u00fcberdauern k\u00f6nnten.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Der Einschlag erzeugte ein zirka 15 qm gro\u00dfes Loch sowie ein massives Feuer, das sich zwischen der \u00e4u\u00dferen und inneren Schicht der Schutzkuppel bis zur S\u00fcdseite ausbreitete. Ingenieure sch\u00e4tzen, dass etwa 300 L\u00f6cher mit einem Durchmesser von jeweils 30-50 cm in der Au\u00dfenhaut des NSC entstanden sind, verursacht durch das Feuer nach dem Einschlag. Durch die Besch\u00e4digungen sei der NSC gegen Witterungseinfl\u00fcsse anf\u00e4lliger geworden, was langfristigen Rost und Feuchtigkeitssch\u00e4den beg\u00fcnstige. Feuer und Rauch schw\u00e4chten zudem wichtige Schichten der Isolationsmembran, die das Eindringen von Wasser und das Austreten radioaktiven Staubs verhindern soll.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Zus\u00e4tzlich wurde die interne Krananlage besch\u00e4digt, die essentiell f\u00fcr den geplanten R\u00fcckbau des alten Sarkophags sowie f\u00fcr Wartungsarbeiten benutzt wird. Fachleute beschreiben die Reparaturarbeiten als enorme Herausforderung, da Arbeiter h\u00f6heren Strahlungsdosen ausgesetzt w\u00e4ren durch die N\u00e4he zum havarierten Sarkophag.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Durch den Brand wurden wichtige Dichtungs- und Druckschutzsysteme besch\u00e4digt, wodurch bei einem weiteren Treffer eine strukturelle Kompromittierung des Sarkophags droht, mit potenzieller Freisetzung radioaktiven Materials.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Ingenieure warnen, dass eine \u201eNicht-Reparatur\u201c kein gangbarer Weg sei. Die Kosten l\u00e4gen derweil im zweistelligen Millionenbereich, m\u00f6glicherweise sogar im Bereich von Hunderten Millionen Euro.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Die Voraussetzungen sind damit klar umrissen: der NSC bleibt bis auf Weiteres das einzig wirksame Schutzschild gegen weitere nukleare Verseuchung, vorausgesetzt der Wiederaufbau wird schnellstm\u00f6glich ausgef\u00fchrt. Wer die Kosten daf\u00fcr \u00fcbernehmen wird, steht noch nicht fest. Die Ukraine wird die Kosten nicht allein aufbringen k\u00f6nnen, des Weiteren befindet das Land sich immer noch im Kriegszustand mit Russland.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\"><b>\u201eDie Welt von Tschernobyl\u201c<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Demnach ist die Zukunft weiterhin mehr als ungewiss und die Gefahren weiterer nuklearer Sch\u00e4den durch den vor 40 Jahren havarierten Reaktorblock Nummer 4 aus Tschernobyl sind weiterhin nicht gebannt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Die Journalistin, Tr\u00e4gerin des Friedenspreises 2013 und Literaturpreistr\u00e4gerin von 2015, Swetlana Alexijewitsch, geboren in der Ukraine und in Belarus lebend, sieht die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl als Beginn einer neuen Geschichte der Menschheit.<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Sie schrieb: \u201eDie Helden von Tschernobyl heben ein Ehrenmal, den rissigen Sarkophag \u00fcber Reaktor 4, in dem sie das Kernfeuer begraben haben. Vor\u00fcbergehend begraben. Die Feuerwehrleute und Liquidatoren, die noch Schlimmeres verhinderten, sind aber keine Helden eines Vaterlandes, wie in der alten Geschichte, die das Innen gegen das Au\u00dfen gerettet h\u00e4tten. Sie haben nicht ihr Volk gerettet, sondern Europa. Die Welt. Die Welt von Tschernobyl.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"p6\"><span class=\"s1\">Aber wir raffen es nicht, sie schreibt ein kraftvolles Zitat in ihrem Werk \u201eTschernobyl. Eine Chronik der Zukunft\u201c: \u201eAlles hat sich ver\u00e4ndert, bis auf uns.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"p9\"><span class=\"s1\">Georges May<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>&#8211; 15.03.2026<\/span><\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26.04.1986 \u2013 26.04.2026: 40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl Der Versuch einer Bestandsaufnahme Die Fakten des 26. April 1986 Die Fakten sind bekannt, auch wenn sie bereits 40 Jahre zur\u00fcckliegen. 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